F a m i l i e n s t e l l e n
Zum Thema systemische Familienaufstellung gibt es eine reiche und die Methode gut beschreibende Literatur. Interessenten, die sich ganz allgemein über diese Methode informieren möchten, verweise ich auf das breite Buchangebot. Hier versuche ich mit einfachen Worten und aus meiner künstlerischen Biographie heraus das „Stellen" zu beschreiben.
Ich habe geschrieben, dass ich als Eurythmist auf der Bühne gestanden habe und erlebt habe, wie sich Menschen benehmen, wenn sie nicht am richtigen Platz stehen.
Beim Familienstellen laufen ähnliche Prozesse wie auf einer Bühne ab. Ein Klient wählt fremde Menschen für Personen aus, die in seinem Leben eine besondere Rolle spielen und spielten. Diese stellt er ohne viele Infor-mationen zu nennen zueinander auf. Einzig, dass er ihnen ihr verwandt-schaftliches Verhältnis zu ihm und den anderen mitteilt.
Dann lässt man die so genannten Stellvertreter sich in ihre Rolle vertiefen und aus dieser Haltung heraus agieren. Man lässt also andere Menschen Aspekte, Szenen und Zusammenhänge seines Lebens „spielen". Je weniger man vorgibt desto unaufhaltsamer entblättert sich vor den Augen des Auftraggebers die Geschichte seines Lebens. Wieso das so ist und warum die Stellvertreter ungewöhnlich nah am Handeln der eigentlichen Figuren sind, kann man nicht so einfach erklären.
Auf alle Fälle haben die Stellvertreter keine Hemmungen sich zu dem zu äußern, was sie bewegt. Ganz im Gegensatz zur realen Lebenssituation, wo die Menschen nicht so einfach aus ihrer Haut heraus können. Hier erfährt der Klient das, was er im realen Leben nicht erfährt, sieht oder wahrnimmt. Er stellt sich seiner meist verfahrenen Lebenskonstellation.
Ziel des Stellens ist es, dass jeder Mensch den Platz im Leben findet, der ihm gebührt und für den er geschaffen ist. Denn dort kann er wachsen und sich entfalten.
Durch sich bewegen lassen oder durch ein Animieren einen lösenden Satz zu sagen - und da hilft der Leiter durch seine Kreativität und Weitsicht - lässt man die Stellvertreter
Positionsveränderungen probieren und auf ihre Stimmigkeit überprüfen. Denn die Stimmigkeit, das schlichte Wohlgefühl für alle Beteiligten ist die Richtschnur im Handeln.
Sie sehen, es klingt eigentlich ganz einfach!
Ist es auch, wenn man bereit ist sich seiner Geschichte zu stellen. Denn eines ist klar, man muss einen gewissen Mut oder eine große Not haben sich im Zusammenhang mit den Seinen zu betrachten. Es ist nicht irgendeine Geschichte, die ich wie im Film oder im Theater anschaue, sondern es ist die eigene. Insofern ist man selbst mit der kleinsten Geschichte, die man stellt, schnell emotional verbunden. Das macht die Methode nah, lebendig und ergreifend. Das macht sie aber auch in ihrer Erfahrung selbst für die Stellvertreter sehr intensiv.